SPIELART 2013

CPR Practice – Liebe zu einem Dummy

JULIA MÜLLER

Das Bühnenbild ist übersichtlich. Ein Dummy liegt zugedeckt auf einer Matratze. Man hört sein gleichmäßiges Atmen. Man bemerkt die Darstellerin und Choreografin Geumhyung Jeong kaum, als sie den Raum betritt. Langsam durchschreitet sie ihn, langsam zieht sie sich aus, langsam legt sie sich neben den Dummy. Zwischen der Puppe und ihr entsteht schnell eine Beziehung, eine Art Vertrautheit. Die Hand des Dummys wandert langsam über ihren Körper. Es entsteht eine Art sexuelle Spannung zwischen den Beiden. Unterbewusst passt man sich dem Atemgeräusch an, viele Zuschauer werden schläfrig. Als das Atmen stoppt, passiert erst einmal nichts. Zulange braucht die Performerin um zu begreifen, dass etwas nicht stimmt. Dann beginnt sie mit der Herz-Lungen-Massage. Jeder kennt diese Bewegungen, aber durch Jeongs Nacktheit bekommen diese Gesten eine sexuelle Komponente. Durch die rhythmischen Bewegungen wirkt die Performerin plötzlich energiegeladen. Immer wieder hetzt sie durch den Raum um weitere lebenserhaltende Gerätschafften herbeizubringen. Aus einem dieser Geräte ertönt ein hoher, lauter Piepton. Fast zwanzig Minuten setzt sich dieser Ton in den Köpfen der Zuschauer fest. Viele halten sich die Ohren zu. Irgendwann gibt sie das sowieso hoffnungslose Unterfangen auf und zieht sich wieder an. Für den Zuschauer ein voraussehbares und erwartetes Ende.

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