SPIELART 2015

Die Funktion der Minstrel Show

Ein Abend mit und über Tanz, Macht und das politische Potential der Popularisierung verspricht die Lecture „MINSTRELSY Eine diskursive Tanzstunde“ zu werden. Wir sprachen vorab mit den beiden Vortragenden Julian Warner und Oliver Zahn.

 

Wer seid Ihr?

Julian: Ich bin ein klassischer cultural worker und Kulturwissenschaftler und beschäftige mich mit Fragen ethnischer Subjektivität. Insbesondere interessiere ich mich für Praktiken der Entidentifizierung, wie bei Rachel Dolezal, Michael Jackson oder der historischen Minstrel Show. Ich promoviere an der Universität Göttingen zu den deutschen Blackface-Skandalen der letzten Jahre.

Oliver: Ich schließe gerade mein Regiestudium hier in München ab. Mich interessieren theatrale Momente in der Politik und politische Momente im Theater – das hat dann oft die Form eines performativen Essays. Meine letzte Arbeit hat sich beispielsweise mit der Kulturgeschichte der „Hitlergruß“-Geste auseinandergesetzt.

 

Beschreibt uns Euer Projekt für das SPIELART 2015

Julian&Oliver: In unserer Lecture „Minstrelsy – Eine diskursive Tanzstunde“ werden wir anhand einer Fülle von (pop)kulturellen Beispielen einen aktuellen Minstrelsy-Begriff entwickeln, der losgelöst ist von der Minstrel Show als historisches Format. Kurz gesagt: Wir wollen über das Prinzip und die Funktion der Minstrel Show sprechen, nicht über Blackface.

 

Was sind Eure Einflüsse? Woher nehmt die Inspiration für Eure Projekte?

Julian: Das ist eine Frage für Oliver. Oliver?

Oliver: Das hängt vom Projekt ab. Diese Lecture basiert auf der Recherche zu unserer Performance „Situation mit Doppelgänger“, die gleichzeitig das Abschlussprojekt meines Studiums ist. Der Ausgangspunkt dafür war für uns einerseits die „Blackfacing“-Debatte im deutschen Kulturbetrieb und deren Implikationen und Bezugspunkte. Andererseits haben wir uns für die Rolle interessiert, die theatrale Repräsentation in der Verhandlung gesellschaftlicher Widersprüche spielt.

 

Wen möchtet Ihr mit Eurem Projekt erreichen?

Julian&Oliver: Wir denken die Lecture ist für alle spannend, die sich für Popkultur-interessieren: Für die Leute im Club, die sich über die ethnische Qualität von Tänzen Gedanken machen, wie für die im Theater, die sich für ein tieferes Verständnis von ethnischer Repräsentation und Zuschreibung interessieren. Die Beiträge der Blackface-Debatten offenbarten oftmals ein sehr oberflächliches Verständnis dessen, was die Minstrel Show war. Anders gesagt: Blackface ain’t the problem. Kommt vorbei und lasst uns drüber reden.

 

Worauf freut Ihr Euch beim SPIELART 2015?

Julian&Oliver: Auf die internationalen Gastspiele, die sonst ja gerne an München vorbeiziehen, auf die anderen Diskursveranstaltungen in der Favoritbar und im Muffatcafé, auf die neuen Produktionen der Münchner Kollegen und auf den zwei-Wochen-jeden-Abend-ins-Theater-geh-Wahnsinn.

 

Die Veranstaltung „MINSTRELSY Eine diskursive Tanzstunde“ findet am 5. Oktober um 20h30 in der Favorit Bar, Damenstiftstr. 12 statt. Der Eintritt ist frei.

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