© Franzi Kreis

© Franzi Kreis

 

 

 

Der Wiener Performer Simon Mayer mischt mit seinem Stück “Sons of Sissy” das Spielart-Festival auf. Tradition und Moderne stellen für sein schräges Quartett keinen Widerspruch dar. Mayer tanzt an – gegen Vorurteile und gegen die Vereinnahmung des Brauchtums von Rechts. 

 

 

 

 

 

 

 

Wer bist Du? 

Simon Mayer – Tänzer, Musiker/Musikant, Choreograph, Performer.

 

Beschreibe uns Dein Projekt für das SPIELART 2015.

Das Stück, das ich bei SPIELART präsentiere, heißt “Sons of Sissy“. Es ist im Zuge meiner Recherche über alpines und österreichisches Brauchtum, Traditionen, Volksmusik/-tanz und Ritualen im Allgemeinen entstanden. Der Vorgänger von Sons of Sissy heißt “Subengsitting”. Sunbengsitting ist ein Duo. Ich stehe alleine auf der Bühne und interagiere mit Pascal Holper dem Sounddesigner des Stücks. Es geht darum, Rituale und Bräuche, die normalerweise in einer Gruppe stattfinden (Volkstänze etc.) aus einer anderen Perspektive zu zeigen, vor allem aus der des Individuums. Bei Sons of Sissy sind wir zu viert auf der Bühne. Vier Musiker/Performer/Tänzer die auch hier wieder Traditionen, Bräuche, Tänze und Musik aus dem alpinen Raum und anderen Regionen der Welt einmal anders präsentieren. Im Mittelpunkt steht die Befreiung der Traditionen, Rituale und der Volkskunst von Vorurteilen und von Altlasten (wie z.B. der Nazipropaganda oder andere traditionsschädigende Elemente der Geschichte), Reflexionen über diese Lasten, ein Vorschlag für ein neues Männerbild (am Land und in der Stadt), eine Alternative wie Männer heutzutage miteinander umgehen können, sich berühren dürfen, die heilende Kraft von traditionellen Tänzen, Musik und Ritualen und vieles mehr. All das, was oft als alt, verstaubt, konservativ, rechtslastig und rigide gesehen wird, soll mit neuen Augen betrachtet werden. Also eine Art alpinschamanistisches Brauchtumsritual mit heilsamem Befreiungcharakter und Humor. Von Jodeln bis zum Urschrei und vom Mühlradtanz bis zum Minimalmusic-Stampfdrone.

 

Mit welchen künstlerischen Mitteln arbeitest Du bevorzugt und warum?

Mit allen Mitteln, die es ermöglichen, das Thema zu kommunizieren. Aber vorwiegend mit Live-Musik, Tanz, Bewegung und Bühnenbild. Für mich gibt es keine Grenzen zwischen den Genres oder Mitteln. Ich lasse mich deshalb auch nicht gerne in Schubladen stecken.

 

Was sind Deine Einflüsse? Woher hast Du Inspiration für Deine Projekte?

Von almschreienden Sennerinnen, von meinem Vater der mir als Kind jodeln beigebracht hat, von meiner Herkunft (Biobauernhof in Andorf/Oberösterreich), vom Musikensemble ALMA, das Volksmusik äußerst gekonnt mit jugendlicher Frische und Leichtigkeit zurückführt zu ihren lebensbejahenden Wurzeln, von Doreen Kutzke und ihrer Jodelschule Berlin, von Schamanen aus Peru mit denen ich gearbeitet habe, von buddhistischen Mönchen und ihrer wunderbaren Art der Meditation, der ich mich seit einigen Jahren hingebe, von Trachten- und Volkstanzgruppen aus meiner Heimat, dem Innviertel zum Beispiel die Pramtaler Volkstanzgruppe, bei der ich selber Mitglied bin und Schuhplatteln und Volkstanzen gelernt habe, von Noldi Alder, Erica Stucky und natürlich von den Performern und Künstlern, mit denen ich gerade zusammenarbeite und auf der Bühne stehe.

 

Welche aktuellen Themen und Geschehnisse lassen Dich nicht los und beeinflussen Dich als Künstler?

Im Moment beeinflusst mich am meisten, dass die FPÖ, eine rechtslastige Partei in Österreich, auf Plakaten wieder mal sehr viel in Trachtenkleidung vorkommt und dass diese Tracht und Volkskunst somit schon wieder in Verbindung zu rechten Tendenzen steht. Da fühl ich mich in meiner Arbeit und mit meinen derzeitigen Stücken wieder bestätigt und bin froh, dass ich die Möglichkeit habe  – vielleicht auch durch Interviews wie dieses oder mit meiner Kunst – etwas dagegen zu unternehmen oder zumindest eine Alternative aufzuzeigen. Denn die dunkelbraunen Flecken gehören endlich aus den Lederhosen rausgewaschen. Wenn einer die Lederhose in Besitz nehmen darf, dann ist das der Hirsch.

 

Wen möchtest Du mit Deinem Stück erreichen?

Alle die sich dafür gerne öffnen und vor allem auch ein Publikum das zum ersten Mal eine zeitgenössische Tanzperformance sieht. Vor allem auch ländliches Publikum und Menschen die gegenüber den Thematiken des Stücks – Tradition, Brauchtum und Volkskunst – Vorurteile haben.

 

Was kann die Kunst auf der Bühne heute verändern?

Wenn Künstler beginnen mit sich selber liebevoll und heilsam umzugehen und die Motivation für ihre Stücke vom Herzen her kommt überträgt sich das sehr schnell aufs Publikum. Manchmal nicht unbedingt offensichtlich, sondern eher subtil. Ich bin überzeugt davon und hatte auch schon viele Publikumsrückmeldungen, dass man auf der Bühne auch eine Art heilsame Kunst zeigen kann und diese auch ihre Wirkung hat. z.B. mit musikalischen Frequenzen zu arbeiten, die positive Effekte auf den Körper und die Psyche haben, Räuchern. Das heißt nicht, dass man keine Stücke mehr machen soll in denen auch ernste oder brutale Themen behandelt werden. Es ist eher die innere Einstellung als Performer auf der Bühne oder als Choreograph die stimmen muss. Eben vom Herzen.

 

Und worauf freust Du Dich beim SPIELART 2015 am meisten?

Auf die Weißwurst :-)

 

Auf dem SPIELART 2015 wird Simon Mayer mit dem Stück “Sons of Sissy” zu sehen sein. Tickets sind an diesen Vorverkaufsstellen erhältlich.