„Rimini Protokoll“ lassen uns mit der „Weltklimakonferenz“ das Ende der planetaren Unverbindlichkeit spielen. Aber was steht bei der Konferenz COP21 in Paris, bei der ein Nachfolge-Abkommen für das „Kyoto-Protokoll“ beschlossen werden soll, eigentlich auf dem Spiel? Einige Hintergrundinformationen, die Sie über den nächsten Klimagipfel wissen sollten.

Es gibt noch Neuland zwischen den Polen: Rimini-Protokoll proben das Gegenteil des Weltuntergangs. © Benno Tobler

Es gibt noch Neuland zwischen den Polen: Rimini-Protokoll proben das Gegenteil des Weltuntergangs. © Benno Tobler

Was genau ist das Kyoto-Protokoll?

Mit dem Kyoto-Protokoll wurde 1997 von 191 Staaten ein (zumindest auf dem Papier) verbindliches Abkommen zur Begrenzung des Ausstoßes von „Treibhausgasen“ beschlossen. Der weltgrößte Emittent, die USA, später auch Kanada, beteiligten sich nicht an dem Vertrag. 2005 trat das Kyoto-Protokoll in Kraft und wurde auf der 18. Klimakonferenz in Katar bis 2020 verlängert, allerdings bislang von Gipfel zu Gipfel geschleppt, während der weltweite Ausstoß des Treibhausgases CO2 zwischen 1997 und 2007 von 22 auf rund 29 Milliarden Tonnen weiter gestiegen ist. Eine oft bemängelte Schwäche des Protokolls ist seine praktische Unverbindlichkeit; es fehlen die Sanktionsmöglichkeiten im Fall der Nicht-Erfüllung ebenso wie die finanzielle und logistische Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern.

Das 2 Grad-Ziel – noch realistisch?

Ziel des Abkommens war, die globale Erwärmung auf einen durchschnittlichen Temperatur-Anstieg von höchstens 2 Grad Celsius zu begrenzen; Berechnungen deuten darauf hin, dass die Auswirkungen auf das planetare Klima ab diesem kritischen Wert nicht mehr kontrollierbar sein könnten. Allerdings dürften schon die bis dato ausgestoßenen Treibhausgase einen Temperaturanstieg von durchschnittlich etwa 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zur Folge haben. Die vom Potsdam-Institut für Klimaforschung getragene Organisation „Climate Action Tracker“ nimmt an, dass der Klimawandel bis zum Ende des Jahrhunderts auf lediglich 2,7 Grad begrenzt werden kann.

Was bedeutet das?

Deshalb wird für den Klimagipfel im Dezember in Paris (Conference of the Parties, kurz COP21) ein Paradigmenwechsel erwartet: Nach einem Vierteljahrhundert sukzessive scheiternder Klimapolitik steht nicht mehr das ökologisch Notwendige im Vordergrund, das Problem als solches, sondern das politisch Machbare – und damit eine Vielzahl unterschiedlicher Probleme. Die beteiligten Staaten reichen im Vorfeld der Konferenz ihre „beabsichtigten nationalen Beiträge“ (intended nationally determined contributions, INDC) zur Bekämpfung des Klimawandels ein. Im Gegenzug wird sich die eigentliche Konferenz auch stärker an den Interessen der Akteure orientierten und einen Ausgleich zwischen ihnen schaffen müssen – anstatt, wie zumal hierzulande, die Diskussion „top-down“ von einem naturwissenschaftlich ermittelten Idealziel her zu führen.

Ein klimapolitischer Kurswechsel?

Konkret soll das neue Abkommen sowohl Industrie-, als auch Schwellen- und Entwicklungsländer in den klimapolitischen Prozess einbinden. Neben der Emissionsminderung werden dadurch auch die Interessen von den Ländern in den Blick rücken, die in zunehmendem Maß die Folgeschäden des Klimawandels zu spüren bekommen werden; der Klima-Diskurs wird polyzentrisch. Entscheidend wird zumal die Rolle von Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien sein. Indien zeigt sich bislang besonders verschlossen für klimadoktrinäre Belehrungen aus dem Westen, während die Stimmung in den völlig verdreckten chinesischen Mega-Städten zunehmend kippt; die chinesische Regierung hat bereits Ende vergangenen Jahres ein bilaterales Klima-Abkommen mit den USA geschlossen.

Bankrotterklärung oder sinnvolle Korrektur?

Die Bundeszentrale für politische Bildung scheint die sich andeutende stärker horizontale Ausrichtung der internationalen Klimapolitik als einen vernünftigen Schritt zu erachten. Man spricht von einem Ausweg aus einer sich bislang mit jedem scheiternden Gipfel weiter „aufheizenden“ Debatte, der einer internationalen klimapolitischen Kooperationsbereitschaft den Weg bereiten könnte.  Es gibt allerdings auch Experten-Stimmen wie den Energieexperten David MacKay von der Universität Cambridge, die bemängeln, das System der „beabsichtigten nationalen Selbstverpflichtungen“ (INDCs) ignoriere die Erkenntnisse der Spieltheorie. Die Klimakonferenz in Paris gebe die „Hoffnung auf, eine gemeinsame Verpflichtung erzielen zu können“, so der Kölner Wirtschaftsprofessor David Ockenfels; der stillschweigende Kurswechsel bedeute ein Aufweichend es faktisch Notwendigen.

 

COP21 – einige Fakten

Am Ende der Pariser Konferenz soll ein neues Klimaabkommen stehen, das 2020 in Kraft tritt und das dann auslaufende Kyoto-Protokoll ersetzen soll.

In Paris wollen sich die Industrienationen auf ein Finanzierungspaket in Höhe von 100 Milliarden einigen, als klimapolitische Entwicklungshilfe und zur Abfederung der zum Teil bereits jetzt spürbaren Schäden durch die Erderwärmung.

Anstelle der Vorgabe einer „globalen Emissionsminderung um 50 Prozent bis 2050“ tritt das Konzept eines Emissionsbudgets, das bestimmt, wie viele Treibhausgase weltweit noch ausgestoßen werden dürfen, soll das noch immer angepeilte 2 Grad-Ziel erreicht werden. Es hat in erster Linie den Vorteil, weniger flexibel ausgelegt werden zu können.

Während die Möglichkeit einer umfassenden Lösung durch eine Begrenzung der Emissionen in immer weitere Ferne zu rücken scheint, gewinnt die Forschung zum „Geoengineering“ an Konjunktur – der gezielte Eingriff in das Klima zur Reduktion des Treibhauseffekts, etwa durch den Eintrag von Schwefelpartikeln in die Atmosphäre. Bislang ist man von einer praktikablen Lösung mit kalkulierbaren Risiken aber noch weit entfernt.

Die Diskussion dreht sich dabei fast ausschließlich um das Verbrennen fossiler Rohstoffe. Allerdings gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Viehzucht durch eine Kombination von Faktoren – allen voran die Abholzung der Regenwälder zum Anbau von Futtermaterial und den Ausstoß des Treibhausgases Methan bei der Verdauung der Tiere –  zu etwa einem Drittel verantwortlich für den Klimawandel ist.

Ein Info-Poster zur Arbeitsweise und den Ergebnissen des Weltklimarats finden Sie HIER.