WAKE UP!

Artivism – was?!

WAKE UP! öffnet die Augen, schaut hin, seid da, schenkt Aufmerksamkeit – um nur einige Assoziationen zu nennen, die sich mit diesem Imperativ verbinden lassen. Bei SPIELART wird diese Aufforderung zum geflügelten Wort und zur störenden Kraft. Versammeln sich doch Dutzende Aktivisten, Publizisten, Wissenschaftler und Künstler über die Grenzen Europas hinaus, belagern drei Tage lang das Muffatwerk mit ihren Ideen und Aktionen, und werden so zum Steinchen im Festivalgetriebe, das unterbricht.

WAKE UP! ruft die Versammlung für ein anderes Europa, ist widerständig und passt doch hinein in den zweiwöchigen Theater-Marathon. Mit Vorträgen, Performances, Diskussionen, Filmen und Ausstellungen kreiert WAKE UP! einen Zwischenraum des Zuhörens und des Austauschs.

Es bedeutet also nicht nur, aktiv zu werden, sondern sich auch fernab des allabendlichen Performancetrubels Themen zuzuwenden, die gar nicht so fern sind, wie man zuerst glauben mag. Manchmal muss man sich eben nur mal Gehör verschaffen. Ein Aufruf mit Ausrufezeichen.

Sylvi Kretzschmar - Verstärkung! Eine kollektive Anhörung

Sylvi Kretzschmar – Verstärkung! Eine kollektive Anhörung

Diese Art der Mitteilung wählt auch Sylvi Kretzschmar bei VERSTÄRKUNG – EINE KOLLEKTIVE ANRUFUNG. Mit einem Megafonchor zieht sie durch die Straßen Hamburgs, und spielt mit der Akustik des Protests. Aus einer Demonstration wird Performance und eine rhythmisierten Bewegung durch die Stadt, die sich nicht nur in die Stimme der Beteiligten, sondern auch in deren Körpern überträgt. Sylvi Kretzschmar ist Teil des mobilen Einsatzkommandos Schwabinggrad Ballett, die Kunst und Protest mitienander verbinden.

Artivism – so nennt sich das. Vor einigen Jahren fiel der Begriff erstmals im Zusammenhang mit farbigen Künstlern, lässt sich aber ausweiten auf jegliche Form von Kunst innerhalb von Demonstrationsbewegungen, auf Street Art bis hin zu Künstlern wie Ai Weiwei.

Leonidas Martin Saura, Professor an der Universität für Barcelona für Neue Medien und politische Kunst, bewegt sich auch an dieser Grenze von Kunst und Aktivismus. Mit der Website und dem gleichnamigen Buch BEAUTIFUL TROUBLE gibt er eine Anleitung zum kreativen Protest mit Taktiken (Mass Street Action, Blockade), Prinzipien (This aint the Sistine Chapel, Use the jedi mind trick), Theorien (Alienation Effect, hashtag politics), Fallstudien (Yomango) und Praktikern (I dream your dream, Yes Men).

Wie die Verschmelzung von Kunst und Aktivismus in der Praxis aussieht, kann man bei Aktionen von Sauras Kulturkollektiv Enmedio sehen, zum Beispiel, wenn sie eine Spontanparty veranstalten, um die Schließung eines Bankkontos zu feiern:

Fiesta #CierraBankia

 

 

 

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