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THE INDUSTRY OF WAITING – Warum warte ich?

HEILI SCHWARZ-SCHÜTTE

 

Warum warte ich, dem Obdachlosen und seinem stillen Betteln in Julian Hetzels Container THE INDUSTRY OF WAITING gegenüber zu treten? Warum zögere ich die mögliche Konfrontation hinaus? Weshalb reicht der Gedanke die Tür zu öffnen allein, mich peinlich berührt sein zu lassen? Möchte dieser Mensch vielleicht, dass ich in den Container komme, damit er endlich seine Geschichte, die von den Meisten gezielt überhört wird, erzählen kann?

Wo liegt der Unterschied zwischen zoologischer Beschau und performativem Erlebnis? Wie oft musste der Mensch wohl schon Rede und Antwort, weil Personen den Container nun einmal betreten haben und es hier seine performative „Aufgabe“ ist zu reagieren? Kommen die Zuschauer/Zuhörer auch, weil es im Container ein eintrittsfreies „Erlebnis“ zu bestaunen gibt? Würde ich mir nicht etwas vorgaukeln, wenn ich es wagen würde die Tür zu öffnen und dennoch weiterhin jeden „normalen“ Obdachlosen in der winterlichen Kälte der Stadt mit gesenktem Blick zu übergehen? Wo ist mein Gewissen? Wo ist mein Gewissen, mein schuldbewusstes Gewissen? Was soll ich im Container machen? Was soll ich sagen? Soll ich etwas sagen? Wann soll ich gehen? Soll ich warten? Ich warte – ich erwarte, nur was?

 

 

 

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